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"Über Goldbach zur Goldmedaille"
Der Aschaffenburger Skeleton-Pilot Alexander Gassner im MAIN-ECHO Interview.

Alexander Gassner wohnt in Gailbach, fühlt sich aber auch im Eiskanal richtig wohl: Im Interview mit unserem Medienhaus spricht der Skeleton-Pilot über seinen Sport , die Vorbereitung beim TV Goldbach und seine Ziele bei den olympischen Winterspielen in Peking.

Ganz entspannt sitzt Alexander Gassner im Vereinsheim des TV Goldbach und erzählt von seiner bislang erfolgreichsten Saison. Und von seinen Träumen. Eine Olympiamedaille will der in Gailbach wohnende Skeleton-Pilot 2022 in Peking holen. Ein großes Ziel, aber als Zweiter im Gesamtweltcup durchaus realistisch.

Hier will er die Basis legen. Direkt vor der Tür des Vereinsheims ist der Leichtathletikplatz des TVG. Corona-bedingt liegt er quasi brach. Alex Gassner darf ihn nutzen. »Zum Glück«, wie der 31-Jährige im Gespräch mit unserem Medienhaus sagt. Hier wird er in den nächsten Wochen und Monaten schuften. Sprinten, springen, Gewichte stemmen, sich in Olympiaform bringen. »Wintersportler werden im Sommer gemacht«, schmunzelt Gassner.

Im vergangenen Sommer hat er gut gearbeitet, wie die zwei WM-Medaillen um seinen Hals beweisen. Im Frühjahr 2022 will er wieder hier sitzen, dann mit einer Olympiamedaille. Die wäre dann auch ein bisschen »Made in Goldbach«.

Zunächst mal der Blick zurück. War 20/21 Ihre beste Saison, seit Sie Skeleton fahren?
Alexander Gassner:
Ja, definitiv. Ich habe meinen ersten Weltcupsieg in St. Moritz geholt, danach noch am Königssee gewonnen. Bei der WM gab es Bronze im Einzel und Silber im Team. Ich bin hochzufrieden.

Im Gesamtweltcup sind Sie Zweiter geworden. Beim letzten Weltcup in Innsbruck waren Sie nicht am Start, obwohl Sie den Letten Martins Dukurs noch von der Spitze verdrängen hätten können.
Alexander Gassner:
Ja, wir haben die Zeit lieber zum Training für die WM in Altenberg genutzt. Dukurs war ja auch nicht am Start. Das war vorher so unter den Bundestrainern abgesprochen. Wenn ich in Innsbruck gefahren wäre, wäre er auch gefahren.

War es eine schwere Entscheidung?
Alexander Gassner:
Na ja, Innsbruck ist irgendwie nicht meine Bahn, Martins hat dort schon so oft gewonnen. Die Chancen, ihn noch zu überholen, waren eigentlich sehr gering. Ich habe mich lieber auf die WM konzentriert. Und das war ja auch die richtige Entscheidung.

Stimmt, zwei Medaillen waren Ihre Ausbeute.
Alexander Gassner:
Richtig, und das Training hat dabei sicher geholfen. Altenberg ist keine einfache Bahn, es gab wegen Corona nicht so viele Trainingszeiten dort. Bei der WM hat man das dann gesehen. Viele Favoriten sind mit der Bahn nicht klargekommen. Da haben mir die zusätzlichen Trainingsfahrten natürlich einen Vorteil verschafft.

Geboren: 9. August 1989
Geburtsort: Prundu Bargaului (Rumänien)
Wohnort: Gailbach
Verein: BSC Winterberg
Weltcup-Debüt: 2011
Erfolge: Junioren-Weltmeister 2010
Weltmeister 2020 Team
WM-Silber 2021 Team
WM-Bronze 2017 Team
WM-Bronze 2020 Einzel
WM-Bronze 2021 Einzel
Zwei Weltcupsiege Saison 2020/21
Gesamtweltcup-Zweiter Saison 2020/21
Olympia-Teilnehmer 2018 Platz 8

Aber auch bei Ihnen lief es am ersten Tag nicht optimal
Alexander Gassner:
Ja. Da hat das Setup des Schlittens nicht gepasst. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass die Bahn so holprig sein würde. Normalerweise ist in Altenberg das Eis immer top. Aber die äußeren Bedingungen haben das nicht zugelassen. Am zweiten Tag habe ich das Setup geändert, dann lief es gleich viel besser. Da hat mir auch die Bahnerfahrung geholfen.

Was ist für Sie eigentlich wichtiger? Der Gesamtweltcup oder die WM?
Alexander Gassner:
Ganz klar der Gesamtweltcup. Da geht es um Konstanz über eine ganze Saison. Man muss auf unterschiedlichen Bahnen fahren. Für die Zuschauer und auch den Verband steht mehr die WM im Vordergrund. Das ist der Saisonhöhepunkt. Da geht es auch um Fördergelder.

Im kommenden Jahr dürfte der Saisonhöhepunkt aber Peking heißen. Läuft der Weltcup vor Olympia so ein bisschen nebenher?
Alexander Gassner:
Das kann man so nicht sagen. Natürlich ist Olympia das Ziel und dort nach Möglichkeit eine Medaille. Aber, um bei Olympia dabei zu sein, muss man die Norm erfüllen. Das heißt: Im Weltcup müssen Podestplätze her. In Deutschland ist die Olympianorm wirklich knackig.

Also von Beginn an Vollgas?
Alexander Gassner:
Definitiv! In der Olympiasaison versucht jeder das Bestmögliche. Die Konkurrenz wird sehr stark sein, schließlich müssen sich die anderen Sportler auch qualifizieren.

Kennen Sie die Olympia-Bahn?
Alexander Gassner:
Nein. Die ursprünglich geplante Homologation der Bahn (Abnahme durch den Weltverband nach Testfahrten, Anm. d. Red.) ist corona-bedingt ausgefallen. Jetzt sollen im Oktober 2021 internationale Trainingswochen auf der Bahn stattfinden. Es ist schon wichtig, die Bahn im Vorfeld kennenzulernen. Dass es so spät stattfindet, ist sicher kein Vorteil.

Inwiefern?
Alexander Gassner:
Man muss einfach wissen, in welche Richtung man das Material entwickeln muss. Und je später man das weiß, umso schwieriger wird es. Da haben die Chinesen natürlich einen großen Vorteil.

Glauben Sie, dass die Gastgeber vorne mitfahren können? Im Weltcup hat noch kein Chinese größere Spuren hinterlassen.
Alexander Gassner:
Da gibt es schon ein oder zwei Talente. Die darf man auf keinen Fall aus den Augen lassen. Einer war mal beim Weltcup und hat gleich einen Startrekord aufgestellt. Die haben durch ihre Bahnkenntnis mit Sicherheit einen Heimvorteil.

Wintersportler werden im Sommer gemacht, Sommersportler im Winter

Wie wollen Sie es angehen?
Alexander Gassner:
Wir fahren mit ganz vielen Teilen nach China. Dann kann man alles ausprobieren und schauen, was am besten passt. Und dann heißt es: Die Bahn gut lernen. Ich werde auf jeden Fall alles möglich machen, um so gut vorbereitet zu sein, wie es nur geht. Die letzten Materialtests in La Plagne waren gut, beim Start muss ich noch eine Schippe drauflegen.

Also fleißig trainieren. Aber jetzt ist doch erstmal Erholung angesagt, oder?
Alexander Gassner: (lacht)
Ganz bestimmt nicht. Wintersportler werden im Sommer gemacht, Sommersportler im Winter. Ich bin also voll im Training. Zur Zeit trainiere ich siebenmal in der Woche, etwa zehn Einheiten. Mitte September soll dann in Winterberg Eis gemacht werden, dann geht es auf die Bahn.

Und wann entspannt ein Skeletoni?
Alexander Gassner:
Direkt nach der Saison. Etwa zwei bis vier Wochen mache ich dann Pause. Das ist wichtig. Mental Abstand vom Sport gewinnen, regenerieren. Der Fokus liegt dann auf Freunden und Familie. Das ist eine wichtige Zeit, um Kraft für die anstehenden Aufgaben zu tanken.

Wie und wo trainieren Sie?
Alexander Gassner:
Ich habe das Glück, hier beim TV Goldbach die Anlage individuell nutzen zu können. In diesen Zeiten ein echter Vorteil. Das lief über persönliche Kontakte. Über Goldbach zur Goldmedaille sozusagen (lacht).
Momentan bin ich noch in der Ausdauerphase, aber natürlich geht es in unserem Sport hauptsächlich um Sprinttraining, Schnellkraft, Kraft allgemein. Aber auch Körperspannung und Koordination spielen eine Rolle.

Wie funktioniert das? Haben Sie einen Trainer vor Ort?
Alexander Gassner:
Ich arbeite mit meinem Team zusammen. Mein Athletiktrainer Heiner Preute schreibt meine Trainingspläne, ich habe meinen Ernährungscoach Maik Thies und meinen Physio Christopher Deltow. Durch meinen Wohnortwechsel nach Gailbach bin ich hier quasi auf mich alleine gestellt, aber das spiegelt irgendwie unsere Sportart wider. Wir sind Individualisten. Den Ehrgeiz muss jeder persönlich für sich mitbringen, sonst funktioniert es nicht. Man muss es wollen.

Wer mental nicht vorbereitet ist, hat keine Chance. Das ist so wichtig wie die Athletik

Und der Bundestrainer?
Alexander Gassner:
Der kontrolliert quasi den Trainingsfortschritt. Das passiert bei Lehrgängen, meistens am Königssee oder in Oberhof.

Wie lernen Sie die unterschiedlichen Bahnen kennen? Einen Simulator gibt es ja nicht.
Alexander Gassner:
Das ist eine rein mentale Sache und geschieht visuell über Aufnahmen von den Bahnen.

Wie muss man sich das vorstellen? Sie liegen im Wohnzimmer auf dem Schlitten und schauen Video?
Alexander Gassner:
Genau. Man fährt die Bahn quasi auf dem Handyvideo mit. Gerade bei Bahnen, auf denen man wenig fährt, ist das mental harte Arbeit. Die Druckpunkte müssen bei hoher Geschwindigkeit ja passen.

Haben Sie einen Mentalcoach?
Alexander Gassner:
Als junger Sportler hatte ich einen. Da habe ich mir Tipps und Tricks geholt, habe viel für mich mitgenommen, Dinge entwickelt, mit denen ich gut klar komme und eine gewisse Routine entwickelt. In unserem Sport ist es so: Wer mental nicht vorbereitet ist, hat keine Chance. Das ist genauso wichtig, wie die Athletik. Wenn man anfängt zu zweifeln, passieren Fehler. Auch die Erfahrung spielt eine große Rolle. Ich weiß, was ich tue. Habe alle denkbaren Situationen schon erlebt. Ich war schon bei Olympia, ich weiß, was dort auf mich zukommt. Ich denke, das kann ein Vorteil für mich sein - insbesondere bei Olympia.

Und wie geht es nach Peking weiter? Sie sind ja schon 31 Jahre alt.
Alexander Gassner:
Ich denke, dass ich gerade in der Blüte meines Schaffens bin (lacht). Das möchte ich so lange auskosten wie möglich. Ich bin so erfolgreich wie noch nie. Da möchte ich jetzt ansetzen, mein nächstes Ziel ist ganz klar eine Olympia-Medaille. Was danach passiert, ist auch abhängig davon, wie es in Peking für mich läuft.

Das Team muss eine Art Rückzugsort sein, so etwas wie eine Familie

Wie sehr wünschen Sie sich, ganz speziell als Sportler, wieder Normalität? Anders gefragt, wie schwierig war der vergangene Winter?
Alexander Gassner:
Sehr schwierig. Es war eine Ausnahmesituation. Für alle, nicht nur für uns Sportler. Ich hatte immer Angst vor einer Ansteckung und dass ich deshalb wichtige Wettkämpfe verpassen könnte, eventuell die WM-Qualifikation nicht schaffe.

Wie geht man damit um?
Alexander Gassner:
Man darf seine Lockerheit nicht verlieren, das ist ganz wichtig. Da spielt dann das Team eine große Rolle. Das muss gut funktionieren, eine Art Rückzugsort sein, so etwas wie eine Familie. Man teilt sein Leid. Wir alle müssen ja einen immensen Aufwand betreiben. Ständige Tests, bei den Wettkämpfen abgeschottet von der Außenwelt. Das ist nicht einfach. Aber ich habe immer den sportlichen Erfolg in den Fokus gerückt. Und der hat sich ja eingestellt. Wenn man Erfolg hat, nimmt man einiges in Kauf.

Aber so langsam reicht es, oder?
Alexander Gassner:
Na klar. Ich hoffe natürlich, dass der kommende Winter wieder ein normaler Winter wird. Zuschauer an der Bahn sind wichtig. Es ist einfach eine ganz andere Atmosphäre. Für uns Sportler ist das wichtig, Freunde und Familie beim Wettkampf dabei haben zu können. Im vergangenen Winter hat man teilweise die Familie wochenlang nicht gesehen, konnte nur telefonieren. Man konnte die Wettkämpfe einfach nicht so genießen. Und genau dafür betreibt man ja den ganzen Aufwand.

Interview/Aufnahmen: Oliver Banach / Main-Echo

Aufnahme: TVOnline Redaktion

Links zu dem Winter-Cross Impressionen des MAIN-ECHOs:
1.Lauf am vom 03.11.2019
2.Lauf am vom 10.11.2019
3.Lauf am vom 17.11.2019
4.Lauf am vom 24.11.2019
5.Lauf am vom 01.12.2019
6.Lauf am vom 08.11.2019
7.Lauf am vom 05.01.2020
8.Lauf am vom 12.01.2020
9.Lauf am vom 19.01.2020