aktuell
>>> 27.01.2023: Breitensport-Ehrenabend im TV Vereinsheim
>>> 28.01.2023: Gottesdienst für leben. und verstorbene Mitglieder
>>> 04.02.2023: Lakefleisch-Essen des TV Spielmannszuges
Laufsport
ADIDAS INFINITE TRAIL 2022 Bad Hofgastein
Mit der Teilnahme am 65k bei den Infinitetrails 2022 in Bad Hofgastein hatten sich Wolfgang Schreck und Natascha Noever noch ein besonders schönes und anspruchsvolles „Highlight“ für dieses Jahr ausgesucht.

Ein persönlicher Erlebnisbericht unserer Natascha Noever

2019 wurden auf dieser Strecke die adidas Infinitetrails Worlchampionships ausgetragen.
Mit dem Angebot von einem Teamrace mit 3 verschiedenen Loops, 15k und 45k neben den 65k haben sich insgesamt 850 Trailrunner aus 52 Nationen an diesem verrückten Race-Wochenende in Bad Hofgastein eingefunden.

Natürlich auch einige Topläufer aus der Trailrunnings-Szene, was für uns „ambitionierte Hobbyläufer“ immer ein besonderes Erlebnis ist, mit der „Weltspitze“ an einem Start zu stehen.
Ein ganz dickes Lob an diese Veranstaltung, ein Wahnsinnsrahmenprogramm und eine wirklich perfekte Organisation, mit ca. 250 Helfern (einer davon war Marcus, der als Streckenposten bzw. „Course Marshal“ mit dabei war), die unglaublich hilfsbereit und aufmerksam waren, bis zuletzt angefeuert und sich gekümmert haben, das war echt der Hammer.

Ein unvergesslicher Zieleinlauf, die Alpentherme als ein riesengroßer Athletengarten mit Afterrace-Party inklusive Siegerehrung im bzw. am Pool und am Sonntag auch noch eine Kaiserschmarrn-Party auf der Bergstation des Stubnerkogels.
Und der Race-Director Mike Hamel, der als Macher hinter diesem Wahnsinns-Event steckt, immer ganz nah dabei, Ansprechpartner für alles, immer ein offenes Ohr, und immer da, ob am Start, an Verpflegungsstationen oder im Ziel, immer persönlich für die Athleten da.

Samstag um kurz nach 4 Uhr haben Wolfgang, Marcus und ich uns zum Frühstück getroffen.
Marcus ist dann als erster los, er hatte eine gute Dreiviertelstunde zu seinem Strecken-Posten bergauf zu laufen und musste um 6 Uhr seinen Helferdienst beginnen.

Wolfgang und ich sind dann mit unserer Pflichtausrüstung gegen 5:30 Uhr zum Check-In in den Startbereich.
Von den 77 gemeldeten Teilnehmern auf der 65k Strecke, waren letztendlich 60 am Start.
Bei wesentlich besseren Wetterbedingungen als gemeldet, fiel der Startschuss um 6:00 Uhr und schon nach wenigen hunderten Metern zog sich eine Glühwürmchenschlange aus Bad Hofgastein den Berg hinauf.
Nach knapp 3 km und den ersten 500 hm sind wir dann auch schon auf Marcus gestoßen.
Er hat seinen Job natürlich sehr gut gemacht und uns Läufern schon ordentlich mit Anfeuerungen und Musik eingeheizt.

Schnelles Küsschen, Stirnlampe in den Rucksack und weiter ging es.
Nach 5,6 km und 907 hm die erste VP an der Rastötzenalm erreicht, kurz die Flaschen auffüllen lassen und dann weiter, immer berghoch, über den Frauenkogel zum Gamskarkogel, 10,8 km und 1807 hm geschafft.
Obwohl keine „offizielle“ VP hat die Hüttenwirtin Vroni mit ihrem Team uns Läufer mit einer kleinen Labestation inklusive heißem Tee und Kaffee versorgt.
Der erste Berg war geschafft, jetzt hieß es downhill ins Tal.

Wolfgang ist auf dem Weg nach unten ins Straucheln gekommen und hat mich dann erstmal weitergeschickt.
Ungefähr bei KM 16 hat es mich dann ordentlich hingelegt, mit dem einen Fuß über eine nasse Wurzel gerutscht, mit dem anderen Fuß hängengeblieben und in vollem Laufschritt nach vorne geflogen.
Aufgestanden und geguckt, ob alle Knochen noch heil sind und gleich weitergelaufen. Nach ein paar Metern aber den blutenden Oberschenkel gesehen und zumindest die Wunde mit Wasser gereinigt.
Den Schreck schnell verdaut und weiter runter an der Poserhöhe vorbei ins Tal zum „Grünen Baum“, die VP2.
Nachdem ich die Helfer damit beruhigen konnte, dass mein Oberschenkel schlimmer aussieht als es sich anfühlt, habe ich mich gestärkt und auf den Weg zur VP3 (Mittelstation Graukogel / BILD) gemacht.

Dort nach 21,6 km und 2288 hm wieder eine kurze Pause, aber mit dem doch knackigen Zeitfenster von 14h im Kopf war völlig klar, dass ich besser nirgendwo zu viel Zeit verlieren sollte.
An der VP4 (Bergstation Graukogel / BILD) bereits 23,7 km mit 2791 hm in den Beinen nochmal kurz verschnauft und dann auf zu meinem „persönlichen Angstgegner“, dem Graukogel.

Die Überschreitung hatte ich mir vorher auf Video angeschaut (übrigens auch ein tolles Gimmick der Veranstalter, man konnte sich auf der Neurun-App die komplette Strecke als Video bereits im Vorfeld anschauen).
Jetzt sollte uns das schlechte Wetter doch noch einholen, der Himmel zog sich recht schnell zu. Als ich die „No pole section“ erreicht habe, hieß es, Stöcke verstauen, weil man ab hier beide Hände zum Kraxeln braucht.
Dank Streckenmarkierung und Bergwacht war es aber selbst für mich mit meiner Höhenangst irgendwie machbar. Ich war so unglaublich stolz und glücklich als ich den Graukogel und damit den 2. Berg gepackt hatte.

Später sollte ich erfahren, dass Wolfgang kurz nach mir wegen des schlechten Wetters, nicht mehr über den Graukogel durfte und wieder direkt zur Bergstation runter musste.

Jetzt ging es bei immer stärker werdendem Regen wieder runter, nochmal an Bergstation und Mittelstation vorbei über den Altböcksteiner Höhenweg zur VP7 in Altböckstein.

39,2 km mit 3345 hm erledigt. Dort erwarteten mich Marcus und Claudia sowie der Race-Direktor persönlich.
Kurzes Update, dass Wolfgang oben drehen musste und ca. eine Viertelstunde später erwartet wurde.
Trotz der 1:15 h, die ich hier zum Cut-off rausgelaufen hatte, war klar, dass das Wetter die Bedingungen jetzt immer härter werden lassen sollte.
So machte ich mich mit einem weiteren Läufer auf den Weg zum Stubnerkogel. (BILD).

Wir schraubten uns bei strömendem Regen und Nebel langsam durch Matsch und unterspülte Trails den Berg hoch.
Mein Mitläufer Berni wollte auf der Oberen Zitterauer Alm eigentlich aussteigen und zur Mittelstation Stubnerkogel, um die Bahn zu nehmen.
Wolfgang würde es dann genauso machen, für ihn war nach 45 km und ca. 4200 hm leider Schluss.
Eine Riesenleistung, bis dahin sollten es einige Läufer schon gar nicht mehr schaffen.

Dort empfing uns Mike Hamel, der Race-Direktor. Ich fragte, ob wir noch weiter laufen dürften und er meinte: „Klar, ihr braucht jetzt noch ca. 2h runter und 2:20h habt ihr noch Zeit.“
Also Berni, meinen Mitstreiter auch hier davon abgebracht, auszusteigen und im Laufschritt ging es runter Richtung Angertal.
Ein weiterer Sturz auf schlammiger Skipiste konnte mich dann aber natürlich auch nicht mehr aufhalten.
Berni’s Knie streikten irgendwann beim Pisten-runter-rennen und er schickte mich mit einem „Wir sehen uns im Ziel“ weiter.

Noch ein ganz kurzer Stopp bei der VP9 im Angertal mit immer noch völlig motivierenden und aufmerksamen Helfern rannte ich weiter, nur noch 7,9 km und ein letzter „kleiner“ Hügel mit 170 hm trennten mich noch von der Finishline.

Da wusste ich, dass ich es schaffen kann, das Ding doch noch in der Cut-off Zeit zu rocken.
Auf den letzten Kilometern ins Tal konnte ich schon die Musik aus dem Zielbereich hören.
Überglücklich und Mega stolz bin ich nach 60,3 km mit 4.830 hm nach 13:45:25 Uhr als vorletzter Läufer ins Ziel, wo Wolfgang, Claudia und Marcus mich erwarteten.
Mit einem „Du bist ja echt unkaputtbar“ (ich war inzwischen mit meiner Verletzung bei allen Helfern über Funk bekannt) wurde mir meine Finisher-Medaille um den Hals gehängt.
Nach einer herzlichen Umarmung vom Race-Direktor wurde der letzte Läufer angekündigt.

Auch Berni sollte es gerad noch schaffen und bedankte sich bei mir, dass ich ihn nicht habe aufgeben lassen.
Ein kurzer Abstecher ins Sanitätszelt zur Wundversorgung und ab unter die Dusche, danach in die Alpentherme zur Afterrace-Party mit Siegerehrung.
Da ich leider wegen der offenen Wunde nach Rat der Sanitäter nicht ins Wasser sollte, haben wir das ausgelassene Treiben nur am Beckenrand genossen.

Den Abend haben wir dann zu viert im Hotel etwas ruhiger, aber dennoch zu später Stunde feierlich ausklingen lassen.
Was soll ich sagen, man kann sich auch als „Schlusslicht“ eines Rennens als absoluter Gewinner fühlen, manchmal ist ein Finish so viel mehr wert als das offizielle Ergebnis.
Und mit nur sechs Frauen im Rennen war mir mit meinem Finish auch als letzte Frau dennoch ein Top-Ten-Platz vergönnt.

Laufstrecke: 60,5 km - 5.000 Hm
Auszug aus der Ergebnisliste
Noever Natascha 6.Platz 13:45:25 Std. Frauen