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Laufsport
Göltzschtal Marathon 2022
Unser Ausdauersportler Andreas Hasenstab berichtet vom erfolgreichen Finish beim Göltzschtal Marathon am 02.April 2022.


Die Suche nach dem jährlichen Marathon (einer im Jahr sollte es schon noch sein) war vom Papier her für dieses Jahr einfach.

... und wieder nichts mit Bonn
Hatten wir doch zusammen mit Schwägerin Sandra schon vor Corona den Marathon in Bonn gemeldet, der damals (vor zwei Jahren) eigentlich zu Petras Geburtstag im Oktober stattfinden sollte und der nun mittlerweile schon dreimal verschoben wurde.

Das offene Projekt
Dieser würde dieses Jahr nun im April endlich stattfinden. Da uns Sandra begleiten sollte, war die Aufgabe nicht nur ankommen, sondern auch eine entsprechende Zielzeit.
Die Tatsache vom „Corona-Spaß-Sportler“ zu einem strukturierten Training zurückzukehren verursachte zunächst Unbehagen.
Doch ich (Andreas)) hatte Glück😊 Wie viele große Frühjahrsmarathons wurde auch Bonn erneut frühzeitig wieder abgesagt.
Sandra entschied sich kurzerhand für einen Start in Hamburg und Petra und Ich ließen das Projekt erst einmal offen und schnürten wieder fleißig die Wanderstiefel.

"Tante Coogle" wurde strapaziert
Naturgenuss ohne Zeitpeitsche und mittlerweile eine wieder geöffnete Gastro-
nomie – Bewegung kann schon sehr angenehm sein.
Aber wie schon erwähnt – einer sollte es im Jahr schon sein, das hängt halt im noch vorhanden Läuferkopf.
Irgendwann dann doch mal gegoogelt, die Auswahl ist im Frühjahr coronabedingt nicht allzu groß und die Aussicht im Hochsommer durch die Landschaft zu rennen.

Auf nach Sachsen ...
Also bringen wir es „schnell“ hinter uns.
Der Blick in den Kalender und die Auswahl fiel auf den Göltzschtal Marathon im sächsischen Vogtland, eine Veranstaltung die wir schon kennen und im Vogtland selbst sind wir im letzten Jahr auch einige Kilometer abgewandert.
Also einmal mehr - auf nach Sachsen.

That`s it – Mission impossible?
Die kurze Vorbereitung ist schnell erzählt. Donnerstags jeweils lockere 10 km Laufen, Dienstags Treppenläufe in Waldaschaff. Sehr kurz, sehr knackig. Dazu eine Weitwanderung auf dem „Hasenstabweg“ im Spessart, aber jeder Menge Marathonerfahrung im Kopf.
That`s it – Mission impossible?

Samstag, 02.04.2022
Basiswissen: "Reifenwechsel O(stern) bis O(ktober) bzw. retour
Der Wecker klingelt um 3 Uhr 45 und im Hof erwartet uns ein komplett zuge-
schneites Auto mit frisch montieren Sommerreifen.
Nach einer Tasse Kaffee folgt ein Harakiri- Ritt im früh morgendlichen Schneegestöber über den total verschneiten Spessart und über Hof nach Lengenfeld / Sachsen.

Die Hasenstabs im Sauseschritt ...
Die erste Hürde ist gemeistert. Viele Zeit bleibt nicht. Startnummer holen ran damit, ab in die Startaufstellung und schon geht es los.

Das böse Wort Sch....
Das Starterfeld ist sehr überschaubar. Die Veranstaltung lebt vom mit einge-
bunden 10 km, Halbmarathon und diversen Kinder- und Jugendläufe, welche später am Tag starten und in der zweiten Marathonhälfte etwas Abwechslung für die Marathonläufer in die vogtländische Landschaft zaubern.
Das Vogtland präsentiert sich trocken, kalt und eisig windig.
Ich denke an unseren Kopfsalat, den wir bei Sonnenschein letztes Wochenende in den Garten gepflanzt haben – und jetzt das nochmal. Scheiße!

Schnelle Erklärung
Startschuss – und los geht’s. Die Streckenführung ist schnell erklärt. Es werden 2 „Runden“ gelaufen. Genau genommen laufen wir eine Punkt zu Punkt Strecke von knapp 10,5 km von Lengenfeld nach Mylau und zurück, eine Runde auf der Laufbahn und dann nochmal das Gleiche. Vorteil für den Veranstalter: Es muss nur eine Streckenlänge von 10,5 km gesichert werden und die Anzahl der Versorgungspunkte kann auf 3 reduziert werden. Auch kann der Lauf als reiner Landschaftslauf gestaltet werden, denn wollte man die Strecke auf 21 km verlängern, müsste man eine Passage durch die Stadt Mylau in Kauf nehmen mit dem entsprechenden organisatorischen Aufwand.

Immer an der Bahn lang
Oder das Tal verlassen, was aus auf den ersten Blick „flachen Kurs“ einen respektablen Mittelgebirgs-Marathon mit vielen Höhenmetern machen würde. Zunächst geht es auf einem ehemaligen Bahndamm der vor knapp 50 Jahre stillgelegten Strecke Lengenfeld – Mylau – Göltzschtalbrücke entlang.

Die Brücke ...
Aufgrund des kleinen Starterfeldes laufen Petra und ich sehr bald zu zweit. Die Spitze ist enteilt, einige Läufer noch hinter uns.
"Back tot he Roots", keine Zuschauermassen, mentale Stärke und die Bereitschaft mit sich selbst klar zu kommen wird heute gefragt sein.
Nach etwa 3 km erreichen wir Weissensand, einen Ortsteil von Lengenfeld. Bald verlassen wir den alten Bahndamm und laufen auf Naturwegen weiter, sehen schon von weitem die „Göltzschtalbrücke“ …lach

Beeindruckend
Nein, denn es handelt sich nicht um die beinah 170 Jahre alte berühmte Eisen-
bahnbrücke - diese weltweit größte Ziegelsteinbrücke mit vier übereinander-
liegenden Bogenreihen bekommen wir heute leider nicht zu Gesicht, denn sie liegt hinter Mylau, unserem Wendepunkt.
Die mit etwas über 80 Jahren deutlich „jüngere“ Autobahnbrücke trägt den gleichen Namen. Die Autobahnbrücke ist ebenfalls aus Stein gemauert, allerdings aus Naturstein.

... wie am Schnürchen
Nachdem das geklärt ist, laufen wir unter der Autobahnbrücke hindurch und erreichen die Hälfte der Wendepunktstrecke, auf der von nun an Waldwege überwiegen.
Die Laufstrecke verläuft seit dem Start immer etwas bergab, was das Tempo zu diesem Zeitpunkt „hoch“ hält.
Man fühlt sich gut beim Laufen, den es läuft wie am „Schnürchen“.

Eisiger Wind
Bei km 8 erreichen wir die zweite Verpflegung mit netten Helfern, welche hier auch im eisigen Wind ausharren und queren die einzige Landstraße, gesichert durch die Polizei. Das Göltzschtal wird enger und bald erreichen wir Mylau.

Hoch oben thronte die Burg
Viel sehen wir davon nicht, außer die imposante Burg Mylau, die rechts oben auf einem Felsen thront.
Mit einem Baujahr ab 1180 ist sie deutlich älter als die beiden Göltzschtalbrücken.
In dieser größten und mit am besten erhaltenen Burg des sächsischen Vogtlands hält das Burgmuseum einiges an Exponaten aus der wechselvollen Geschichte der Burg als Adelssitz, Rathaus, Fabrik und nun Museum vor.

Lauftaktik
Unterhalb der Burg erreichen wir den Wendepunkt auf einem ordinären Garagen-
vorplatz, 10,5 km sind erreicht.
Den Kegel sicher umlaufen – und ab jetzt geht es auf gleicher Strecke die nächsten 10,5 km leicht bergan.
Unsere Lauftaktik für das Finish ist einfach.

Nur das Finish zählt
Locker zurück ins Stadion laufen – dann rollt es wieder zur zweiten Wende und dann muss man zurück ins Ziel – egal wie, Zeit spielt keine Rolle! Finish zählt „over all“.

Die Haxn machen sich bemerkbar
Schon bald wird klar, warum es bis zur Wende sehr gut gelaufen ist. Zurück geht`s hoch. Gefühlt steil hoch! Die Haxen werden nach 15 km schon schwer und Gedanken an unserem ersten Start hier schießen in den Kopf. Damals waren die letzten 10 km ein großer „Krampf“. Aber heute nicht, wir lassen es ja behutsam angehen.

Abwechslung im Feld
Bei km 16 kommen uns die ersten „jungen Wilden“ vom zeitlich versetzt gestarteten 10 km Lauf entgegen. Das Feld sorgt für Abwechslung. Der Sieger des 10ers sollte unter 30 Minuten bleiben, wie wir später erfahren haben – Respekt!

Kilometer 31 ...
Wir kommen zurück ins Stadion, laufen dort die Runde und die Uhr dort verrät – exakt 2 Stunden Laufzeit. Shit – doch wieder zu schnell. Hoffentlich rächt sich das nicht. Guter Dinge stürzen wir uns in die zweite Runde, es geht ja erst mal wieder abwärts und es läuft gut – bis km 31.

... der Oberschenkel
Aus heiterem Himmel fährt es mir in den Oberschenkel.
Ich kenne das – es Ist der Anflug von Krämpfen.
Mit fehlendem Training schwinden die Stärken, die Schwachstellen bleiben – lach.

Ade` Petra
Tempo muss raus, deutlich raus. Sonst wird das nix mit dem Finish hier, es geht ja gleich wieder bergan.
An der Wende setze ich unser beiden Qual eine Ende und schicke Petra allein los.
Ab diesem Zeitpunkt bringt es nichts mehr auf den Partner Rücksicht zu nehmen und langsamer zu Laufen, das ist auch Qual.
Ich sehe Petra enteilen, während ich eine Gehpause einlege(n) muss.
Wie heißt es doch so schön – "Laufen bis es nicht mehr geht, dann gehen bis es wieder läuft".
So auch heute – und es funktioniert auch heute wieder.

Geschafft
Wir erreichen schließlich beide wieder sicher das Stadion und finishen im Ziel.
Petra bleibt die hervorragende B-Note mit dem Sieg in der Altersklasse und auch ich gehe mit einer Zeit respektablen Laufzeit von unter dem altbekannten 6er Laufschnitt noch über die Ziellinie.

... und das nach 23 Marathonjahren
Also den Kopf der gerade noch in der Schlinge steckte – hoch!
Marathon Laufen ist schon geil, jeder für sich anders, selten planbar, egal wo die Ambitionen hängen.
Das ist die Faszination am Ausdauersport – immer wieder, auch noch nach 23 Marathonjahren!

Im Ziel spielt sich coronabedingt alles im Freien ab.
Gutes Finisher Buffet, schnelle Siegerehrung, Business as Usual.

Laufstrecke: 42,195 km (Marathon)
Auszug aus der Ergebnisliste
Hasenstab Andreas 4.Platz 04:11:16 Std. M50
Hasenstab Petra 1.Platz 04:05:55 Std. W 45

Fazit:
Die Veranstaltung ist für kleines Startgeld vorbildlich vom VFL Lengenfeld organisiert.
Wer keine Zuschauermassen braucht und ein wenig „läuferische innere Einkehr“ verbunden mit einer schönen Landschaft sucht ist hier gut aufgehoben.
Verpflegung ist vorbildlich, die Helfer durch die Bank sehr nett, kompetent und sportaffin.

In diesem Sinne einmal mehr – the Wild East rocks! Danke nach Sachsen!

REDAKTION: Andreas Hasenstab
BILDER: Petra u. Andreas Hasenstab / Archivaufnahmen Lengenfeld / Myla